„Software, Hardware, Digitalkonzept – in allen drei Schlüsselbereichen für ein funktionierendes Homeschooling mangelt es an unseren Schulen“, so die Erkenntnis von CDU-Landtagsabgeordneten Peter Lerch. Dabei bestreitet niemand ernsthaft, dass der digitale Unterricht, unterrichtsergänzend und wo nötig unterrichtsersetzend, immer mehr zum Bestandteil des Unterrichtsalltages wird und künftig noch deutlicher werden wird.  

Lerch weist darauf hin, dass bereits bei der vom Land bereitgestellten und favorisierten Software „BigBlueBotton“ und „Moodle“ enorme Probleme bestehen. Dies wurde nicht nur zu Beginn des Homeschoolings erkennbar, als stundenlang die Plattformen zusammengebrochen sind, weil diese Software offensichtlich nur mangelhaft getestet und auch keinem Härtetest unterzogen worden war. Aber auch jetzt, nach mehreren Wochen sind deutliche Mängel erkennbar. Schulen, welche hingegen alternative Programme, wie „Office 365“ anwenden, kommen damit gut zurecht. Dumm nur, dass ihnen das Land untersagt, dies auch im kommenden Schuljahr anzuwenden. Aus Datenschutzgründen, wie man hört. Während das System seit vielen Jahren in der Wirtschaft erfolgreich angewendet wird und Baden-Württemberg in Gesprächen mit dem Anbieter potentielle datenschutzrechtliche Bedenken versucht zu lösen, beharrt das rheinland-pfälzische Schulministerium hingegen auf die Beendigung.

Bei den Endgeräten, in der Regel Tablets, gelingt es hingegen dem Land offenbar noch nicht einmal, die vom Bund angebotenen Gelder abzurufen. Demnach hat Rheinland-Pfalz aus dem Digitalpakt Schule von 241 Millionen Euro an Bundesmitteln erst 75 Millionen, also nicht einmal ein Drittel abgerufen. Und gerade bei der Ausstattung mit Endgeräten bleibt das Land weit hinter manch anderen Bundesländern, wie beispielsweise Bremen, zurück. Dort wird zumindest jedem Kind, welches unter die Lernmittelfreiheit fällt kostenfrei ein Tablet zur Verfügung gestellt. An den Landauer Schulen kann dies gut verdeutlicht werden. Von den derzeit knapp eintausend Tablets, welche den Schülern kostenlos bereitgestellt werden, hat das Land gerade mal 171 also ganze 18 % finanziert. Damit jedes bedürftige Kind, welches unter die Lernmittelfreiheit fällt ein kostenloses Tablet erhalten kann, fordert der Abgeordnete das Land auf, die noch fehlenden etwa 200 Geräte vollständig zu finanzieren. Für Lerch ist dies logisch: „Schließlich hat das Land auch die Verantwortung für die Finanzierung bei der Schulbuchausleihe“.

Letztendlich nutzt dies aber alles nichts, wenn die kompetente und fachkundige digitale Anwendung nicht dauerhaft gewährleistet ist. Durch Befragung an verschiedenen Schulen hat Lerch den Eindruck gewonnen, dass für diese zentrale Zukunftsaufgabe zwar bereitwillige und engagierte Lehrer tätig sind, diese aber über keine spezielle Ausbildung verfügen. Laut Lerch braucht jede Schule künftig einen eigenen „Digitalisierungsbeauftragten“, der über entsprechende Ausbildung und Fachkenntnisse verfügt.

Der Abgeordnete ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung unseres Lebens, ob in Wirtschaft, Verwaltung oder gerade auch in den Schulen nicht aufzuhalten ist, ja sich künftig noch verstärken wird. Deshalb bedarf es umso dringender weitreichender Konzepte, angepasster Lehrpläne und ausreichender Finanzen. Und dies sind keine temporären Bedarfe, welche nach Corona wieder verschwinden werden. „Nein, diese Herausforderungen sind auch ohne die Pandemie gegeben. Sie treten durch Corona nur deutlicher und stärker zu Tage“, so Lerch abschließend.